Chronik Altenbrak Arbeitslosenzahlen      Ende 2013 Jeder Fünfte ist länger als zwei Jahre arbeitslos Von Matthias Stoffregen Die Zahl der Frauen und Männer ohne Job ist wieder leicht gestiegen. Der Arbeitsagentur in Halle zufolge waren 126 439 Sachsen-Anhalter im Dezember arbeitslos, 6249 mehr als im November. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sank die Zahl der Arbeitslosen aber um 5920. Langzeitarbeitslose haben es aber weiterhin schwer, wieder eine Stelle zu finden. Jeder Fünfte ist länger als zwei Jahre arbeitssuchend gemeldet. Obwohl sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in Sachsen Anhalt weiter verbessert hat, geht die Zahl der Langzeitarbeitslosen nur langsam zurück. Arbeitsagentur -Chef Kai Senius will die Betroffenen deshalb noch stärker individuell fördern. Er sagte dass aber jeder Zehnte wohl keinen Job mehr auf dem Arbeitsmarkt finden wird. Das Grundproblem seien Vermittlungshemmnisse die es bei vielen Betroffenen gebe. „Wer beispielsweise Schwierigkeiten mit der Gesundheit hat, schon älter oder gering qualifiziert ist, hat deutlich schlechtere Chancen, eine Stelle zu bekommen“, erläuterte Senius. Von den im Schnitt rund 47200 Langzeitarbeitslosen hierzulande seien 25 Prozent älter als 55 Jahre und weitere 25 % gering qualifiziert. Gut jeder zehnte Langzeitarbeitslose heb mehr als drei Hemmnisse und sei damit praktisch nicht mehr zu vermitteln. Speziell für dies Gruppe fordert Senius von der Politik, mehr Beschäftigungsmöglichkeiten durch Bürgerarbeit zu schaffen. 4300 Menschen sind derzeit in Sachsen-Anhalt als Bürgerarbeiter beschäftigt, das Förderprogramm des Bundes für solche öffentlichen Jobs läuft allerdings in diesem Jahr aus. Und nur für 1100 Bürgerarbeiter will das Land mit Hilfe von EU-Geldern ein Folgeprogramm auflegen. Senius reicht das nicht: „In Regionen wie Mansfeld-Südharz existiert ja kaum noch ein Arbeitsmarkt – dort sollte die Politik einen künstlichen Markt mit Hilfe von Bürgerarbeit schaffen.“ Senius ist aber auch optimistisch, dass die Mehrheit der Langzeitarbeitslosen in den kommenden Jahren wieder Arbeit findet – vor allem mit Hilfe individueller Förderung. „Seit einem Jahr werden 3000 Langzeitarbeitslose von speziellen Vermittlern betreut“, so Senius. Die Fachkräfte hätten mehr Zeit, den Betroffenen zu helfen, ihre individuellen Probleme zu lösen. Die Förderung koste zwar viel Geld, würde sich aber langfristig lohnen. Mehr als 1000 seien so schon vermittelt wurden. Milder Winter schont Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit auf niedrigsten Stand seit 1991 / Bundesagentur rechnet mit weiterem Rückgang Von Torsten Scheer Es ist nicht kalt, es liegt kein Schnee – auf dem Arbeitsmarkt hat der Winter bislang nicht stattgefunden. In witterungsbedingt anfälligen Branchen wie am Bau wird nach wie vor gearbeitet. „Wir können für Sachsen-Anhalt die niedrigste Zahl an Arbeitslosen seit 1991 feststellen“, erklärte am Dienstag der Chef der Arbeitsagenturen. Damit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Seit 2006 geht die Zahl der Arbeitslosen in Sachsen- Anhalt zurück Drei Gründe führt Senius für die Aktuelle Entwicklung an: Mehr Menschen gehen in Rente, es fehlt Berufsnachwuchs und vor allem im Gesundheitswesen und Maschinenbau gab es in letzte Zeit einen Beschäftigungsaufbau. Im Großraum Magdeburg ist die Lage „recht stabil“, sagte Heike Jauch, Geschäftsführerin Operativ der Magdeburger Arbeitsagentur. „Mit einer Arbeitslosenquote von 9,7 %  haben wir das Niveau des Vorjahres sogar um 0,3 % unterschritten“. Zum Agenturbezirk gehören auch die Börde und das Jerichower Land. In der Analyse der Arbeitsagentur heißt es, dass zwar die Nachfrage nach Arbeitskräften im Dezember nachgelassen habe und auch Neueinstellungen sich in Grenzen hielten. Andererseits, so Heike Jauch, würden die Arbeitgeber an ihren Fachkräften festhalten und diese vor dem Hintergrund der ungünstigen demografischen Entwicklung in weiser Voraussicht an den Betrieb binden. Regional gibt es bei den Arbeitslosenquoten in Sachsen-Anhalt weiter große Unterschiede: In der Börde betrug die Arbeitslosenquote 8,1 % und war damit so niedrig wie in keinem anderen Kreis in Sachsen-Anhalt. Besonders hoch ist die Erwerbslosigkeit in den Landkreisen Mansfelder-Südharz (14,1 %) und Stendal (13,5 %). Was die Aussichten für die kommenden Monate angeht, sind die Arbeitsagenturen optimistisch. Der Vorstandschef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit, Fank-Jürgen Weise, rechnet mit einem bundesweit leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit: „Die Frühindikatoren deuten auf eine stabile Entwicklung hin“. Zwei Herausforderungen sieht Weise für die Arbeitsagenturen; Zum einen mehr Langzeitarbeitslose zu einem Job zu verhelfen. Zum anderen müsse mehr Jugendlichen der Einstieg ins Berufsleben gelingen. Wie sieht es auf dem Stellenmarkt in Sachsen-Anhalt aus? Öffentliche und private Unternehmen meldeten am vergangenen Monat 3111 Stellen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern, das sind 321 weniger als im Vorjahr. Mehr Bedarf meldeten dagegen die chemische Industrie, der KFZ - Bereich und Branchen wie die Informationstechnologie, hier vor allem Callcenter, an. Landesweit sind rund 765 000 Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht in etwa dem Niveau der Vorjahres. Arbeitsmarkt im Harzkreis Dezember-Quote so niedrig wie noch nie seit 1990 Halberstädter Agentur spricht „vom saisonüblichen Anstieg der Arbeitslosigkeit“ Unternehmen signalisieren für 2014 gute wirtschaftliche Situation Von Tom Koch Weil es im Dezember noch keinen Schnee und kein Eis gegeben hat, ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit geringer als erwartet ausgefallen, teilte die Halberstädter Arbeitsagentur mit. In der übermittelten Information zum sogenannten Arbeitsmarkt heißt es, mit 8,3 % war die Dezember-Arbeitslosenquote so niedrig wie seit Dezember 1990 nicht mehr. Das sei ein guter Beleg für den anhaltenden Abbau der Arbeitslosigkeit und gebe Hoffnung für eine weiter gute konjunkturelle Entwicklung im Jahr 2014. Trotz der aktuellen Entwicklung besteht aus Sicht der Arbeitsagentur derzeit kein Grund zur Sorge, auch wenn in den nächsten Wintermonaten ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit zu erwarten sei. Die Unternehmen würden eine gute wirtschaftliche Situation signalisieren, der Arbeitsmarkt sei robust. Im Vergleich der Vorjahre sei die Entwicklung deutlich günstiger als noch vor einem Jahr. Die 2013er-Dezemberdaten sind von saisontypischen Entwicklung gekennzeichnet, heißt es. Bei den Arbeitslosenzahlen gab es viel Bewegung: sowohl bei den Arbeitslos- Neumeldungen als auch bei denen, die ihre Arbeitslosigkeit beenden. Die Dynamik dabei, so schätzte die Arbeitsagentur ein, habe jedoch spürbar nachgelassen. Im Weihnachtsmonat würden Beschäftigte eher entlassen als neu eingestellt. Vor allem in den witterungsabhängigen Branchen befinden sich einige Unternehmen derzeit in der Winterpause, andere Firmen würden üblicherweise befristet eingestellte Mitarbeiter zum Jahreswechsel entlassen. Demzufolge sind der deutliche Zuwachs der Arbeitslosigkeit binnen eines Monats und der Tiefststand bei den Stellenmeldungen für einen Dezember nicht ungewöhnlich, schätzt laut Pressemitteilung Halberstadts Arbeitsagenturchefin Heike Schittko ein. Die überwiegend saisonalen Einflüsse, dabei vor allem in Bau- und Baunebenberufen, im Gartenbau und in der Landwirtschaft sowie aus anderen saisonabhängigen Außenberufen, hätten die Arbeitslosigkeit im Harzkreis nochmals kräftig ansteigen lassen. Obwohl, so die Agentur, der Dezember bis auf wenige tage ein äußerst günstiges Wetter hatte. „Da vor allem Männer häufig in diesen Branchen arbeiten, waren sie deutlich stärker betroffen“, schätzt Schittko ein.