Chronik Altenbrak 01.07.2018 Arbeitslosigkeit auf neuem Rekordtief Zahl der Erwerbslosen in Sachsen-Anhalt war seit 1991 noch nie niedriger / Fachkräfte fehlen Volksstimme vom 30.06.2018 Es gibt trotz sinkender Arbeitslosigkeit noch immer viele Menschen in Sachsen-Anhalt, die keinen Job haben. Auf der anderen Seite suchen Unternehmen Fachkräfte und Auszubildende. Es müsse mehr getan werden, um Jobs schmackhaft zu machen – sagen Arbeitsmarktexperten. Halle/Nürnberg (dpa/sa) ● Getragen von der stabilen wirtschaftlichen Lage ist die Arbeitslosigkeit in Sachsen Anhalt im Juni auf ein neues Rekordtief gesunken. Seit 1991 war die Arbeitslosenzahl laut Experten noch nie niedriger. Rund 85 800 Menschen waren landesweit im Juni ohne Job. Das waren knapp 1900 Arbeitslose weniger als im Mai und 7100 weniger als im Vorjahr, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Freitag in Halle mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging von 7,7 Prozent im Vormonat auf 7,6 Prozent im Juni zurück (Juni 2017: 8,1 Prozent). Bereits im Mai war die Erwerbslosigkeit auf ein Rekordtief seit der Wiedervereinigung gesunken. Bundesweit ging die Zahl der Arbeitslosen im Juni im Vergleich zum Vormonat um 40 000 auf rund 2,28 Millionen zurück. Das waren 197 000 Jobsuchende weniger als vor einem Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mit. Die Arbeitslosenquote sank binnen Monatsfrist um 0,1 Punkte auf 5,0 Prozent (Juni 2017: 5,5 Prozent). Die Arbeitslosen- quote in Deutschland wird nach Einschätzung des Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, mit dem Herbstaufschwung im Oktober unter fünf Prozent sinken. Die Lage auf dem Jobmarkt sei derzeit sehr gut und werde sich weiter verbessern, sagte Scheele am Freitag in Nürnberg. Der Arbeitsmarkt sei „so von der Sonne beschienen, dass man sich kaum etwas Besseres vorstellen kann“. „Die positive Entwicklung setzt sich im Juni fort. Der Arbeitsmarkt präsentiert sich trotz leicht nachlassender Dynamik weiterhin stabil“, erklärte der Chef der Regionaldirektion, Kay Senius. Die Auftragsbücher der Firmen seien voll, allerdings bereitete der Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften und an Interessenten für eine Berufsausbildung immer mehr Sorgen. Hintergrund ist unter anderem die Altersstruktur der Einwohner. Es sei nötig, dass Arbeitgeber die Vorteile einer dualen Ausbildung – mit Schule und Praxis im Betrieb – und die Karrierechancen im Beruf noch stärker als bisher jungen Menschen nahe bringen. Die Industrie- und Handelskammern und das Handwerk appellieren seit geraumer Zeit an Schulabgänger, sich bei ihrer Berufswahl nicht allein für ein Studium zu entscheiden. Auch mit einer beruflichen Ausbildung gebe es viele Entwicklungsmöglichkeiten bis hin zur Selbständigkeit als Unternehmen, erklärten die Kammern. Arbeitgeber meldeten den Arbeitsagenturen unterdessen im Juni 4700 neue Stellen, 1000 weniger als im Mai. Rund 45 Prozent der Stellen waren sofort zu besetzen, 80 Prozent waren unbefristet. 27 Prozent der Stellen entfielen auf den Bereich der Arbeitnehmer- überlassung (Zeitarbeit). Den höchsten Zuwachs an freien Stellen gab es am Bau. Zudem wurden Mitarbeiter in Produktions- und Fertigungsberufen, in der Logistik, im Gesundheits- und Sozialbereich gesucht. „Zum Monatsende hatten wir im Harzkreis erstmals weniger als 6000 arbeitslos gemeldete Frauen und Männer“, sagte am Freitag Freya Fuckert bei der Vorstellung der Statistik für den Monat Juni. Somit könne im ersten Halbjahr auf eine stabile Entwicklung zurückgeblickt werden. Wie die Bereichsleiterin Operativ der Halberstädter Arbeitsagentur außerdem feststellte, werde sich im jetzt beginnenden „Sommermodus“ nicht viel bewegen. Erfahrungsgemäß sei während dieser Zeit die Bereitschaft der Unternehmer geringer, Personal einzustellen. Für die Kommunale Beschäftigungsagentur (KoBa) Harz zog Monika Wilke Bilanz. Nach Angaben der Fachbereichsleiterin wurden durch den Eigenbetrieb im Juni 15 831 Personen in 10 171 Bedarfsgemeinschaften betreut. Das waren 1801 beziehungsweise 775 weniger als im Vorjahresmonat. Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten lag bei 12 533 Personen. Vor zwölf Monaten gab es hier noch 13 709 KoBa - Kunden. Zu diesem Klientel gehören aktuell 9732 Langzeitleistungsbezieher. Dies entspricht 75,1 Prozent aller Berechtigten. Im Juni 2017 waren es 10 491 Personen.