Chronik Altenbrak 20.01.2019 Voller Einsatz für Urlauber   Harzer Brauchtum  70 Jahre Vereinsgeschichte lässt Trachtengruppe Altenbrak am Sonntag Revue passieren. Was Karl Hinze berichtet, der von Anfang an dabei war. Von Benjamin Richter aus der Mitteldeutschen Zeitung vom 19.01.2019 Was braucht ein Verein, um 70 Jahre lang bestehen zu können? „Urlauber“, antwortet Rita Hinze, ohne zu zögern. Passt diese Antwort auch nicht auf jeden Verein, so für die Trachtengruppe Altenbrak doch umso mehr: Seit der 500-Jahrfeier Altenbraks unterhält der Gesangs- und Traditionsverein Gäste aus nah und fern, aber auch Einheimische, etwa beim jährlichen Jodlerwettstreit auf der Waldbühne. Karl Hinze ist von Anfang an in der Gruppe dabei und heute das einzige noch lebende Gründungsmitglied. „Damals war der Krieg vorbei“, blickt der 87-jährige zurück, „und die Pensionen im Ort wollten, dass wieder Gäste zu uns kommen.“ Urlauber wiederum wollten während ihrer Ferien unterhalten werden – so sei die Idee zur Bildung der Trachtengruppe Ende der 1940er Jahre aufgekommen. Schon vor deren Gründung hatte es jedoch in Altenbrak Verein gegeben, die sich dem Gesang verschrieben hatten. Der erste in der Reihe war 1878 der Männergesangsverein „Concordia“. Dessen Wahlspruch lautete: „Bist du von der Arbeit müde, ist noch Kraft zu einem Liede“, zitiert Rita Hinze aus der Chronik der Trachtengruppe. Einige Jahre später  sei daraus der Arbeitergesangsverein „Liederkreis“ entstanden. „Das Jahr 1939 brachte erst einmal das Ende“ erklärte Hinze, die damals gerade drei Jahre alt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden sich in Altenbrak 21 Männer zusammen, die wieder wie früher im Chor singen wollten. Zur Gründung der Gesangsgruppe trafen sie sich im Hotel „Weißes Roß“. Erster Leiter der Gruppe war der damalige Altenbraker Bürgermeister Erich Hoffmann. „Er war sehr musikalisch“ erinnert sich Karl Hinze, „er hat unheimlich gut Klavier gespielt.“ Dem musikalischen Engagement ihrer Männer wollten die Frauen von Altenbrak nicht nachstehen, und schon 21 Tage nach dem Männerchor gründete sich eine Frauengesangsgruppe. 36 Frauen und Mädchen versammelten sich dort zum Singen, Tanzen und Jodeln. Beide Gruppen traten vor Urlaubsgästen auf und gaben ihnen auf diese Weise einen Einblick ins Harzer Brauchtum. „Der Name Trachtengruppe kam bald darauf zustande, als Trachten für die Sänger angeschafft wurden“, erläutert Rita Hinze. „Die wurden zum Teil selbst gestrickt und genäht.“ Die Gruppe zählte in diesen Anfangsjahren eine Zeit lang mehr als 90 Mitglieder. Eine neu Attraktion sollte Altenbrak zum 500-jährigen Bestehen bekommen – die Waldbühne, an deren Bau die Trachtengruppe fleißig mitwirkte. Weil nach dem Krieg kein Zement da war, verzögerte sich deren Errichtung bis ins Jahr 1951 – und damit auch die Feier des Jubiläums von 1948. Rund 6000 ehrenamtliche Arbeitsstunden leisteten die Mitglieder der Gruppe für das Bauprojekt. Nur wenige Monate jünger sind die Farbdias, die die Trachtengruppe ab 1952 unter dem Titel „Altenbrak und Umgebung in den vier Jahreszeiten“ Urlaubern zeigte, die die Harz- Heimatabende an der Waldbühne besuchten. „Das Interesse war von Anfang an groß“, berichtet Rita Hinze. Das Vorführgerät, mit dem jahrzehntelang Landschaftsbilder aus dem Bodetal auf eine große Leinwand projiziert wurden, steht heute noch bei den Hinzes und kommt jede Woche am Mittwoch zum Einsatz – beim Lichtbilderabend in der Pension „Zum Harzer Jodlermeister“. Es folgten Rundfunkaufnahmen und Auftritte in Braunschweig und Halle, schildert Rita Hinze. „ Einen weiteren Höhepunkt war der 1952 ins Leben gerufener Jodlerwettstreit.“  Die Trachtengruppe beteiligte sich von Anfang an an der Organisation der Traditionsveranstaltung – seit 2005 stellt sie sie alljährlich in Eigenregie auf die Beine. Die Entscheidungsträger der DDR lösten den Harzklub 1951 auf, weshalb die Trachtengruppe danach dem Kulturbund und später bis zur politischen Wende dem Dorfklub angehöhrte. „In den 80er Jahren schrumpfte die Mitgliederzahl der Trachtengruppe, auch wechselten die Chorleiter mehrmals“, sagte Rita Hinze. Heute sind die Mitglieder der Trachtengruppe zu siebt. „Gerade noch so viele, dass es als Verein gezählt werden kann“, verdeutlicht Karl Hinze. Ein eingetragener Verein ist die Trachtengruppe seit der deutschen Wiedervereinigung. Dass sie kleiner geworden ist, hinderte die Gruppe allerdings nicht daran, den Harz in den vergangenen Jahren in aller Welt zu vertreten, etwa bei Messen im dänischen Esbjerg und im norwegischen Farsund sowie bei der grünen Woche in Berlin.